Berlin: Bio boomt – aber nicht überall
Von Dirk Engelhardt
BERLIN. Die Medien lobten das Elysander in der
Charlottenburger Leibnizstrasse in höchsten
Tönen: „Restaurants in Berlin, in denen
ausschließlich Bio-Produkte auf den Tisch
kommen, lassen sich noch an einer Hand
abzählen. Das neu eröffnete Elysander hat sich
unter ihnen an die Spitze gesetzt“, schrieb das
Magazin essen & trinken.
Doch jetzt ist Gastronom Karsten Sander, der das
kleine Restaurant im Herbst 2007 eröffnete,
desillusioniert: „Es lohnt sich nicht. Es kommen
keine Gäste. Ich werde bald hinwerfen!“ Er betreibt
das Restaurant in Eigenregie zusammen mit einem
Koch.
Kein Körnerfutter
Doch bis jetzt gab es seiner Aussage nach keinen einzigen Monat, in dem er wenigstens kostendeckend
arbeiten konnte. Und wenn Gäste einmal zufällig hereinkommen und erfahren, dass sie in einem Bio-
Restaurant gelandet sind, würden sie nicht selten wie von der Tarantel gestochen aufspringen und das
Restaurant verlassen. „Bio scheint bei vielen einen sehr zweifelhaften Ruf zu haben“, so Sander. „Dabei
sind wir weit entfernt von irgendwelchem Körnerfutter, sondern bieten gängige Gerichte, nur eben in Bio-
Qualität“. Die Preise sind etwas teurer als in normalen Restaurants, dafür ist die kulinarische Qualität weit
höher.
Produkte aus der Region
Im Stadtteil Kreuzberg dagegen ist Bio auf dem Vormarsch. Allein in der Bergmannstraße haben vier Bio-
Restaurants eröffnet. Weilands Wellfood eröffnete auf einem Hinterhof des neuen Ärztezentrums und
erhielt vom Tip Magazin bereits die Auszeichnung als eines der besten Restaurants der Stadt. „Wir sind
kein Bio-Restaurant, sondern haben eine Speisekarte, die auf gesunde und leckere Gerichte setzt“,
relativiert Inhaber Friso Weiland (36), der Koch-Erfahrung unter anderem im Adlon-Hotel sammelte. Man
achte beim Einkauf sehr auf die Qualität der Produkte. Brot, Eier, Pasta seien Bio-Ware, andere Produkte
stammen meist aus der Region. Damit kann Weiland günstig kalkulieren. Kein Gericht kostet mehr als 10
Euro. „Wir haben einen höheren Warenwertanteil als normale Restaurants“, so Weiland, er liege statt der
üblichen 28 Prozent bei rund 33 Prozent. Als besonderen Service für die Gäste liegt jedem Speisetablett
eine Tabelle der Gerichte mit Angaben über Vitamine, Fett, Kohlenhydrate und Omega-3-Fettsäuren bei,
die von den Gästen sehr gut angenommen wird.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist jetzt auch die Bio-Fastfood-Kette Gorilla gut angelaufen. Der
Imbiss funktioniert nach dem Prinzip des Buffets: Alle Speisen sind ansprechend an der Theke
angerichtet, man kann sich selbst bedienen oder sich von freundlichen Servicekräften dabei helfen
lassen. Salat, Obst und Rohkost wird nach Gewicht verkauft. Dass sämtliche Zutaten 100 Prozent
biologisch angebaut wurden, ist für Gastronom Matthias Rischau selbstverständlich.
Wenig Werbung spart Kosten
Wichtiger sei die Regionalität. Kiwis aus Neuseeland wird der Kunde bei Gorilla ebenso wenig finden wie
Wein aus Südafrika. Stattdessen bereiten die Köche schmackhafte Salate mit Radieschen, Sprossen,
Möhren und Äpfeln aus Brandenburg zu. Werbung machen die Betreiber für ihre Imbisse nicht, was die
Preise erfreulich niedrig hält: ein halbes belegtes Klappbrot kostet 1,50 Euro, eine große Suppe 3,90
Euro, ein Cappuccino 1,90 Euro – also nicht mehr als in vergleichbaren Imbissen mit konventioneller
Ware.
Das Restaurant Diwan, am ruhigen Teil der Bergmannstrasse gelegen, darf sich ebenfalls rühmen,
ausschließlich biologisch angebaute Produkte für seine Speisen zu verwenden. Betreiber Dieter Sander
sieht bei vier Bio-Restaurants an der Bergmannstraße für jeden Potenzial: „Wenn es die Straße belebt, ist
es für jeden gut.“
www.gorilla-natuerlich.com
www.weilands-wellfood.de
www.foodorama.de
www.bio-diwan.de
www.elysander.de |